25September2018

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Was sind Vitamine fürs Herz? Zusätzlich zur physischen Hilfe ist für uns die geistige Unterstützung ebenso von großer Bedeutung. „Vitamine fürs Herz“ ist der Titel einer Reihe, in der wir monatlich neue Beiträge veröffentlichen. Die Vitamine sind Zusammenstellungen aus Textauszügen, die wir mit freundlicher Genehmigung der Autoren auf unserer Webseite präsentieren dürfen. Da wir von Lesern so gute Reaktionen darauf bekommen, möchten wir sie hier teilen und hoffen, dass sie so auch vielen anderen große Freude bringen können.
Vitamine fürs Herz
von W. Schmidt:

Wenn wir von Kinshasa nach Mushapo reisen wollen, müssen wir zunächst nach Tshikapa fliegen und von dort ca. 60 km durch den Busch zu unserer Schule fahren. Der Zustand dieser Straße verschlechtert sich jedoch zusehends und machte wegen des herrschenden Regens ein Fortkommen mit dem Auto unmöglich. Für diese Strecke mussten wir uns Motorräder mieten und diese Chauffeure gleichen in meinen Augen echten Helden.

Auf dem Weg mussten sie bei einer Straßensperre mit verschiedenen Beamten verhandeln, die nach Fahrzeugpapieren, Straßengebühren usw. fragten, aber vor allem Schmiergeld haben wollten. Die Fahrer gaben ihnen etwas Geld, aber es war nicht genug. Für etwa eine Stunde wurde gefeilscht und wir verloren kostbare Zeit. Dunkle Wolken kündigten Regen an, und wir waren erst am Anfang unserer Reise. Die Situation sah düster aus, und unsere weiße Hautfarbe hilft in so einer Situation nicht.

Schließlich erinnerte ich mich an eine Begebenheit aus dem Alten Testament, als sich das Volk Israel in der Minderheit gegenüber ihren Feinden befand (2.Chroniker 20:17-24). Sie fingen an, Gott zu loben, der ihnen half, den Sieg zu erringen. Also brach ich in lautes Lob zu Gott aus und rief „Halleluja! Lobt Gott für Schwierigkeiten und den Sieg, der daraus kommen wird…“ vor allen Leuten an der Schranke, den Beamten auf beiden Seiten, Passanten usw. Plötzlich entspannten sich die finsteren Gesichter der Beamten und fingen dann sogar an zu lächeln. Es erheiterte sie, was ich tat, und dauerte nicht lange, bis sie uns gutgelaunt fahren ließen. Auf dem Rückweg begrüßten die gleichen Beamten mich mit einem lauten „Halleluja“ und winkten uns nach einem freundlichen Wortwechsel weiter.

Nachdem wir einen Fluss überquert hatten, setzte der Regen ein. Statt sein Ende abzuwarten, baten die Motorradfahrer uns, aufzusteigen und weiterzufahren, da sie wussten, die Nacht kommt schnell auf uns zu und der Regen würde nicht aufhören. Wir erreichten unser Camp im Dunkeln, durchnässt vom Regen und unsere Schuhe trieften vom Wasser der letzten Flussdurchquerung. Verkühlt und hungrig nahmen wir dankbar die für uns vorbereitete warme Mahlzeit vor dem Schlafengehen ein.

Aber diese Motorradfahrer machten kehrt und fuhren gleich wieder nach Hause bis nach Tshikapa, weitere drei Stunden im Dunkeln durch den Busch. Zwei Tage später kehrten sie zurück, um uns abzuholen. Sie kamen spät abends an, und nachdem sie eine Mahlzeit bekommen hatten, schliefen sie auf dem Fußboden im Esszimmer in ihrer Kleidung und standen früh am nächsten Morgen auf, da wir um 5:30 Uhr im Dunkeln losfahren mussten, um rechtzeitig bei unserem Flugzeug anzukommen.

Diesmal zogen wir unsere Schuhe aus, bevor wir den Fluss durchquerten. So wurden nur unsere Arme und Beine nass, als wir an den Büschen entlangfuhren, die vom Vortag noch nass waren. Zu unserem Glück blieb der Regen aber auf unserem Rückweg aus. Manchmal peitschten uns überhängende Zweigen ins Gesicht, obwohl wir mit unseren Köpfen so gut wie möglich auswichen. Niemand hier trägt Sturzhelme und so bekamen die vor uns sitzenden schon abgehärteten Fahrer das Schlimmste ab.

Sie sind echte Künstler, wie sie ihre Motorräder rauf und runter und durch schlammige oder sandige Pfade manövrieren. Manchmal zwang uns ein zu steiler Weg vorsichtshalber vom Motorrad abzusteigen und den Hügel zu Fuß zu nehmen.

Auf unserem Weg begegneten wir anderen Helden, Frauen, die ihre Wäsche und Kinder in kleinen Bächen und Flüsschen wuschen. Andere Frauen trugen schwere Lasten auf dem Kopf, manchmal mit einem Baby auf dem Rücken über viele Kilometer und Stunden bis zum Markt. Ich bewundere diese Leute. Sie schuften sich ab, nur um genug Geld für eine Mahlzeit am Tag zusammenzubekommen. Am nächsten Tag das gleiche wieder, auf ihre Felder marschieren, einige Maniok Blätter holen und stundenlang laufen, um sie zu verkaufen.

Die Männer, die schwere Lasten auf ihren Fahrrädern von einer Ansiedlung zur nächsten schieben, sind eine andere Gruppe von Helden. Sie schleppen viele Stunden lang das schwere Gut, und wenn der Weg steil nach oben oder unten geht, im strömenden Regen oder in der sengenden, unbarmherzigen Hitze der Sonne, setzen sie alles daran, ihr Ziel zu erreichen und, so wurde uns gesagt, riskieren sogar, innerlich zu verdursten.

Unser Schuldirektor Pierre in Mushapo bat uns, für seine Tochter zu beten, die an ihrem Hals einen großen roten Fleck hatte, etwa 10 cm im Durchmesser und auf eine Art Blutvergiftung hindeutete. Er sagte uns, dass viele Kinder dort an dem gleichen Problem leiden. Das arme Mädchen hatte wegen ihrer schrecklichen Schmerzen ihre Schule bereits seit einer Woche verpasst. Da unser medizinisches Zentrum noch nicht in Betrieb ist, gibt es keinen Arzt oder Gesundheitsstation in der Nähe, es sei denn, man läuft 35 km durch den Busch in die nächst größere Stadt.

Nach dem Gebet für dieses kranke Mädchen gingen wir ins Bett und ich, sichtlich berührt, konnte nicht einschlafen und Tränen überkamen mich. Pierre hat neun weitere, hauptsächlich kleine Kinder in seiner Obhut. Drei davon sind seine eigenen, die anderen aus der Verwandtschaft, die sich nicht um sie kümmern kann, etwas, was man im Kongo oft antrifft. Wer solche Kinder in seinem Haus aufnimmt und sich um sie kümmert, ist ein Held in meinen Augen.

Odette, eine unserer Lehrerinnen, unterrichtete ihre Klasse mit ihrem Baby auf dem Rücken. Das Baby war krank, aber die Mutter machte ohne Klagen unverzagt weiter. Zu unserer Bestürzung hörten wir vor ein paar Tagen, dass ihr Baby inzwischen gestorben ist. So schnell kann es dort gehen! Ein weiter Grund, warum wir diesen Leuten so viel wie möglich helfen wollen!

Und was ist mit den Schulkindern? Sie sind fröhlich und zufrieden, auch wenn sie keinen Strom, ärztliche Betreuung, angemessene Nahrung oder andere Dinge haben, die wir in vielen Teilen der Welt für selbstverständlich halten - weitere kleine Helden im Werden!

Bei einem etwas größeren Fluss trafen wir einen anderen Helden, stark wie ein Bär. Er trägt Menschen auf seinem Rücken über den Fluss. Um die Motorräder rüber zu bringen, nimmt er den hinteren Teil, manchmal mit einem schweren Koffer aufgeschnallt, und hebt die schwere Last über den Fluss, wobei er alles vorsichtig auf dem Vorderrad balanciert, das auf dem Flussbett bleibt.

Als wir am Flughafen ankamen, waren wir froh, dass wir es sicher und pünktlich zum Flugzeug geschafft hatten. Dort begegneten uns weitere Hindernisse mit Flughafenbeamten, aber es ist alles kein Vergleich zu dem schwierigen Leben dieser Menschen im Busch, und wir sind dankbar, wenigstens einen Teil dazu beitragen zu können, ihnen in ihrem Leben etwas zu helfen, immer mit der Hoffnung, mehr Menschen zu finden, die mit uns etwas unternehmen, diesen Leuten eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

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