19Juli2018

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Was sind Vitamine fürs Herz? Zusätzlich zur physischen Hilfe ist für uns die geistige Unterstützung ebenso von großer Bedeutung. „Vitamine fürs Herz“ ist der Titel einer Reihe, in der wir monatlich neue Beiträge veröffentlichen. Die Vitamine sind Zusammenstellungen aus Textauszügen, die wir mit freundlicher Genehmigung der Autoren auf unserer Webseite präsentieren dürfen. Da wir von Lesern so gute Reaktionen darauf bekommen, möchten wir sie hier teilen und hoffen, dass sie so auch vielen anderen große Freude bringen können.
Vitamine fürs Herz

Zusammenleben und –arbeiten

von W. Schmidt:

Auf meinem Weg von Prag in den Kongo zog Schnee und Frost auf. Das Flugzeug musste warten, bis die Startbahn geräumt war, und auf dem Weg dorthin wieder warten, bis spezielle Sprühfahrzeuge auf jeder Seite das Flugzeug von Eis und Schnee befreit hatten. Wegen diesen Verzögerungen war es fraglich, ob ich meinen Weiterflug in Frankfurt erreichen würde. Einige Mitreisende mussten auf den nächsten Tag warten, da sie ihren Weiterflug verpasst hatten. Allen, die in die gleiche Richtung wie ich reisten, wurde ein spezieller Bus zur Verfügung gestellt, der uns direkt zu unserem Anschlussflugzeug beförderte. Als wir beim Flugzeug ankamen, hatten sie – ich weiß nicht wie – es schon geschafft, unser Gepäck umzuladen. Ein weiteres Wunder, worüber ich sehr erleichtert und dankbar war, denn man will sein Gepäck in Kinshasa nicht suchen müssen.

In Addis Abeba hatte ich für ein paar Stunden Aufenthalt und konnte nicht umhin, das Gemisch der Reisenden aus verschiedenen Teilen der Welt in den überfüllten Wartehallen zu beobachten. Ein Mann aus einem südlichen Land warf seinen Müll einfach auf den Boden. Ein Verhalten, wahrscheinlich üblich dort, wo er aufwuchs und herkam. Zwei Männer aus einem östlichen Kontinent räusperten sich wirklich laut in meiner Nähe und spuckten in einen Bottich, wohl der Brauch dort, wo sie herkommen.

Ich reise jedes Jahr vom Norden in den Süden und zurück. Jedes Mal durchlebe ich einen echten Kulturwandel, kein Schock mehr, da ich es schon gewohnt bin, aber es bringt immer eine Veränderung. Zwar zeigen sich das Klima, die Menschen, Sitten, Kultur, Umgebung alle anders, stellt man sich aber auf sie ein, kann man immer etwas Schönes in allem entdecken. Am meisten beeindruckt mich an den Leuten stets die ihnen eigene Schönheit. Kleine Kinder sind überall niedlich, lebhaft, laut, manchmal wild, voller Leben. Mütter sind stolz auf sie und kümmern sich gut um sie, wie eine Henne und ihren Küken. Ehemänner, oft mit anderen Dingen beschäftigt, verhalten sich wie Hähne, die vorgeben, Verantwortung zu tragen.

Als ich im tropischen und wie immer feucht warmen Kinshasa ankam, konnte ich meinen Freund nicht entdecken, der mich abholen wollte. Doch wie sich später herausstellte, hatte er an seiner Statt einen Bekannten mit einem anderen Auto geschickt, und wir konnten nicht zueinander finden. Über eine Stunde harrte ich dort aus und versuchte, den übereifrigen Einheimischen bei ihrem Versuch, etwas für ihre „Hilfe“ zu bekommen, klar zu machen, dass es mir gut ginge. Das war zwar nicht der Fall, ich wollte aber auch keine teure Fahrt in die Stadt nehmen. Auch anrufen konnte ich meinen Freund nicht, da ich ihm beim letzten Mal meine lokalen SIM-Karten überlassen hatte. Ich saß in der Patsche. Und es war heiß! Ich betete für ein neues Wunder wie am Vortag mit der Flugverbindung und dem Gepäck.

Und es passierte wieder! Manchmal muss man ein wenig warten, doch nach etwa einer Stunde Wartezeit und Verzweiflung, da alle Autos den Parkplatz langsam verlassen hatten, sah ich jemanden, von dem ich annahm, er könnte mir helfen. Also ging ich zu ihm und erklärte meine missliche Lage. Michel fand sich bereit, mich in die Stadt mitzunehmen und setzte mich sogar direkt vor der Haustür meines Ziels ab. Da der Wagen außer ihm und seinem Fahrer leer war, stellte es für ihn kein Problem dar, mich mit meinen 2 großen Koffern (Geschenke für Freunde und die Kinder unseres Schulprojekts), Handgepäck und 2 Laptops (einer zum Verschenken) mitzunehmen. Auf der langen Fahrt in die Stadt kamen Michel, der von seinem Fahrer abgeholt wurde, und ich ins Gespräch. Ich hatte mich schon als Missionar vorgestellt und er erklärte, er befände sich auf einer anderen Art Mission. So begannen wir uns gegenseitig unsere Arbeit vorzustellen. Michel, im Amt eines hohen UN-Vertreters im Kongo noch unter Mobutu und während des dortigen „afrikanischen Weltkrieges“ von 1998 bis 2003, in dem ca. 4-5 Millionen Menschen ihr Leben verloren, versuchte, so viel Blutvergießen wie möglich zu verhindern.

Mit all diesen Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Stämmen, rivalisierenden Häuptlingen und Fraktionen bemüht er sich jetzt, andere opponierende Leiter im Land dazu zu bewegen, friedlich miteinander Lösungen zu finden. Er hält Workshops und fragt jede Partei, sich in die Lage des anderen zu versetzen und ihre Rolle für einige Zeit zu spielen, ziemlich schwierig für solche gegnerischen Figuren. Doch dabei lernen sie, ihr Gegenüber in einer anderen Perspektive zu betrachten.

Michel erzählte mir, wie er in der Vergangenheit Sitzungen im UN-Hauptquartier in Kinshasa mit verschiedenen internationalen Hilfsorganisationen leitete, die alle ihren Beitrag leisteten, dem Land unter die Arme zu greifen. Einige wollten in den bedürftigsten Zeiten im Land humanitäre Soforthilfe leisten, wohingegen andere langfristige Entwicklungsprojekte für wichtiger hielten. Er erzählte mir, wie jede Organisation ihren Standpunkt vertrat, jede mit guten Argumenten, und wie sie manchmal miteinander kollidierten, nicht ungewöhnlich bei so unterschiedlichen Ansätzen.

Auf meine Frage Warum nicht zusammenarbeiten? Wir brauchen jede Hilfe und müssen alle zusammenarbeiten stimmte er mir von Herzen bei. Ich erzählte ihm von verschiedenen muslimischen Freunden in Kinshasa, die unser Projekt unterstützen, obwohl wir christliche Missionare sind. Sie wissen, wir helfen, wo die Not groß ist, und stehen hinter unsren Bemühungen. „Wie schön ist das in Ländern wie im Kongo“, sagte er mir, „wo so etwas passieren kann im Vergleich zu anderen Teilen der Welt, wo sich Menschen selbst von der gleichen Rasse und Religion bekämpfen.“ Eine traurige Wahrheit!

Wir tauschten E-Mailadressen, um in Verbindung bleiben zu können und zu sehen, wie wir dem Land am meisten helfen können.

Während ich in den folgenden Tagen meine Zeit und Aufgaben im Kongo organisierte, reflektierte ich auch über die Ereignisse dieses ersten Reisetages. Ich hatte Michel erzählt, wie wir in Europa mit vielen Menschen zusammenarbeiten, die ganz anders als meine Frau und ich denken, leben wir doch in einem Land mit etwa 90 % Atheisten als Folge des früheren Regimes und dessen Erziehung. Wir haben Freunde von allen möglichen Nationen, Weltanschauungen, Altersgruppen, Gesellschaftsschichten, aber wir arbeiten alle zusammen für eine gemeinsame gute Sache zur Linderung der Not der Armen und schauen, wie wir ihnen auf ihrem Weg zu einer menschlicheren Existenz beistehen können.

Solange wir zusammen dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, was für ein Unterschied macht es aus, ob unsere Hautfarbe weiß, gelb, braun oder schwarz ist! Und wenn jemand an Gott glaubt, in eine Moschee oder Kirche oder kein Gebäude geht, und jemand anderes glaubt nicht an Gott, wäre es nicht möglich, dass wir alle in Frieden zusammenleben und -arbeiten, um den Bedürftigen zu helfen? Die Not ist so groß, lasst uns zusammenarbeiten! Die Aufgabe ist zu groß für eine Organisation, Menschengruppe oder ein Land alleine. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen.

Die Frage stellt sich nicht, welcher Nationalität, Hautfarbe, Religion oder Glaubensgemeinschaft wir angehören! Was zählt, ist das Herz! Wollen wir anderen helfen oder uns einfach nur um uns selbst kümmern? Das Schöne ist, wenn wir einander helfen, uns bemühen, andere in unseren Kreis mit einzubeziehen und Bedürftigen in ihrer Not beistehen, so kommt es wieder auf uns zurück. Es baut auf, inspiriert und erfüllt, anderen zu helfen und in Frieden mit Andersgesinnten zusammenzuleben. Wir können so viel voneinander lernen.

Dazu brauchen wir Geduld, Toleranz, Verständnis, gute Kommunikation und vor allem Liebe. Liebe leidet viel und bleibt trotzdem freundlich. Liebe beneidet nicht, ist nicht stolz und aufgeblasen; wird nicht wütend, ist nicht selbstsüchtig und leicht zu provozieren; denkt nicht böse, sondern freut sich an wahren Werten; gibt die Hoffnung nicht auf und glaubt, dass Dinge gut ausgearbeitet werden können (siehe 1. Kor 13: 4-7).

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